Tasmanien - die Insel zur Insel als australischer Abschluss
geschrieben von Johannes (13. April 2009)

Während andere in 80 Tagen schon um die Welt gereist sind haben wir in dieser Zeit “nur” eine kleine Rundfahrt durch einen Teil Australiens gemacht. Und was bleibt? Zwei weitere Wochen und noch eine Insel - Tasmanien
Ursprünglich nicht auf unserem Reiseplan gestanden haben wir uns durch zahlreiche Erzählungen doch dazu entschlossen diese Insel eben auch noch anzusehen. Im Vergleich zum australischen Festland nur ein Zwerg sollten zwei Wochen reichen - dachten wir.

Nachdem wir in Sydney unsere Sachen gepackt hatten und die letzten Tage dankenswerter Weise wieder bei Felicities Eltern wohnen durften flogen wir nach Tasmanien. Schon der Flughafen in Hobart machte keinen besonders grossen Eindruck und als wir diverse Fahrtstrecken auf der Karte ausrechneten wussten wir: kein Vergleich mit dem australischen Festland. Mit den dort an einem einzigen Tag zurückgelegten Entfernungen umrunden wir Tasmanien mehrfach. Doch: schwer gefehlt. Die Distanzen sind zwar viel kürzer aber es gibt auch viel mehr Kurven und weit mehr zu sehen.
Zur Abwechslung haben wir auch hier wieder ein “Spaceship” gemietet - diesmal war es “Thunder Bolt” - und mit ihm starteten wir zu Beginn ein paar Kilometer in den Süden. Wunderschöne Landschaften gibt es hier, teilweise wie zu Hause, auch ein paar echte Berge mit grünen Wäldern. Einiges machen wir wieder zu Fuss, sowohl auf Stahlkostruktionen durch die Wipfeln des Regenwaldes oder auch auf den einen oder andern Hügel in diversen Nationalparks.
Das Wetter in Tasmanien ist auch schon sehr herbstlich und oft auch bewölkt, also packen wir endgültig unsere dichten Windjacken aus. Trotz der Temperaturen habe ich es mir aber nicht nehmen lassen unterhalb des Hartz Peaks eine extrem erfrischende Runde in einem kleinen See zu schwimmen.
Schon nach zwei Tagen am südlichst erreichbaren Punkt Tasmaniens kommen wir an fast unberührten kleinen Buchten und Stränden vorbei und es wird uns richtig bewusst wie wenig Zeit wir schon wieder “nur” haben. Diese kleine Insel hätte mindestens acht Wochen verdient. Also beschränken wir uns wieder auf einen kleinen Teil und wollen den dafür ordentlich sehen.
Ein Übernacht-Ausflug führt uns von der Insel nach Bruny Island. Schon wieder eine Insel. Und wieder eine wunderschöne deren Nord- und Südteil nur durch einen schmalen Streifen genannt “the Neck” verbunden ist. Stress scheint es für die Menschen hier nicht wirklich zu geben und irgendwie haben sie auch keinen Grund dazu. Die Kinder müssen mit dem Schulbus zwei Mal täglich auf die Fähre und das selbe gilt für die Rettung wenn sie kommt.
Wie haben wir es geschafft, uns selbst im täglichen Leben soviel Druck aufzuerlegen, dass wir es immer eilig haben? Notwendig erscheint es mir nicht, denn auch hier funktioniert alles wie es soll.

Wir wollten hier wieder ein paar Zwergpinguine beobachten die hier nisten, aber leider liessen sie sich nicht sehen. Wir haben aber nichts versäumt und statt dessen eben nur die wunderschöne Bucht und einen leicht wolkigen und windigen Sonnenuntergang gehabt. Auch sehr schön.
Nicht besonders überraschend war, dass auch hier ein “Captain Cook Memorial” zu finden war das daran erinnert, dass er 1777 an dieser Stelle an Land gegangen ist. Ein weiteres australisches Sieghartskirchen. ;-)

Der nächste Stopp war Port Arthur, eine historische Siedlung, die es als solche heute nicht mehr gibt. Sie wurde Anfang 19. Jh. als ein Gefängnis für Wiederholungstäter geschaffen die vorher bereits aus England zur Haft nach Australien verschifft wurden. Wer denkt, dass hier nur die “schweren Jungs” einsitzen mussten irrt. Ein kleiner Diebstahl oder betrunken in der Kirche reichten dafür schon. Dafür wurden ungelernten Besserungswürdigen diverse Handwerksberufe beigebracht, mit denen sie nach der Entlassung auch etwas anfangen konnten. Alle Tasmanier können sich dafür heute anhören, dass ihre Ahnen keine freiwilligen Immigranten mit Pioniergeist, sondern einfache Kriminelle waren. 1877 geschlossen und wenig später etwa um die Jahrhundertwende von einem Buschfeuer schwer getroffen, sind heute nur noch die wenigsten Teile voll erhalten. Vom Grossteil stehen nur noch Grundmauern oder Teile davon, die man heute aber noch gut besichtigen kann und die einen interessanten Einblick bieten.

Von hier aus leisteten wir uns auch eine dreistündige Bootstour, entlang der Black Cliffs, rund um Tasman Island und dann die Küste ein Stück nordwärts. Das Boot, ein etwas grösserer Aussenboarder, nannte sich der “Allrad des Meeres”  und nachdem wir damit die etwa drei Meter hohen Wellen der rauhen See entlang der recht bedrohlich wirkenden Black Cliffs hinter uns gebracht hatten wussten wir warum. Katharina und ich hatten die besten Aussichtsplätze und damit auch am meisten von den Wellen gehabt. Nicht nur optisch. Klitsch Klatsch. Zum Glück bekamen wir GoreTex Overalls und zum besonders grossen Glück konnte ich die Kamera immer im richtigen Moment darin verstecken wenn uns der Wasserschwall voll traf. Runtergespült werden konnten wir ja nicht, da wir angeschnallt waren.
Wunderschön, faszinierend, atemberaubend und extrem Respekt einflössend gleichsam war die Macht und Energie des Wassers zu spüren und zu sehen. Dazu die felsigen Klippen die über die Jahrtausende von diesen Naturgewalten trotzen konnten, gleichzeitig von ihnen aber doch auch geformt und geschliffen wurden. Weiters noch Tasman Island mit seinem Leuchtturm, einigen Anglern und ihren gefangenen Tunfischen, schwimmende Delfine und die Seelöwenkolonien. An einigen wunderschönen Felsformationen, Felsnadeln, Höhlen und Felsbögen (z.B. Tasman Arch) kamen wir bis zum Ende auch noch vorbei.
Es war zwar eine relativ teure Bootsfahrt, die aber ihren Preis definitiv wert war. Es wurde von Beginn an alles gut erklärt, wir wurden gut ausgerüstet, sicher gefahren und bekamen sogar schon im vorhinein Tabletten gegen Übelkeit angeboten. Und es hat geholfen, keiner der knapp 30 Passagiere hat sein vorverdautes Frühstück im Boot verteilt.

Keinesfalls fehlen durfte natürlich auch eine Begegnung mit ein paar aussergewöhnlichen Einheimischen. Dazu besuchten wir einen kleinen Zoo, der an sich nicht so speziell war, aber über den Tasmanischen Teufel bekamen wir alles erklärt und konnten sogar bei ihrer Fütterung zusehen.
Niedlich sind sie auf keinen Fall, aber sehr speziell. Optisch irgendwie eine Mischung zwischen Kätzchen, Hündchen und Kragenbär(chen), wenns ums fressen geht bedrohlich, laut und kämpferisch, wenn sie satt sind fast süss und kuschelig.
Hier auf der Tasman Halbinsel (wo auch Port Arthur liegt) versucht man die Tasmanian Devil Population von der des restlichen tasmanischen Festlandes zu separieren, da 1996 erstmals endeckt eine verheerende Krankheit ausgebrochen ist, die sich unter den Tieren durch gegenseitige Bisse überträgt, Gesichtstumor änlich aussieht und bis dato bei allen erkrankten Devils innerhalb von vier bis sechs Monaten tödlich verlaufen ist. Diese Krankheit gibt der Wissenschaft Rätsel auf, da sie bis dato nicht wirklich mit etwas zu vergleichen ist. Daher ist Grund zur Sorge gegeben, denn die Devil Populationen wurde dadurch in manchen Gebieten um bis zu 70 - 90 % dezimiert. Nach dem Tasmanischen Tiger, dessen letztes Exemplar in den 1930er Jahren im Zoo der Hauptstadt Hobart gestorben ist, möchte man diesmal das Aussterben einer weiteren ausschliesslich auf Tasmanien lebenden Rasse früh genug bekämpfen und nach Möglichkeit verhindern.

Bevor unsere viel zu wenigen Tage auf der Insel herum waren, fuhren wir noch in den Freycinet Nationalpark. Wieder viel schöne Landschaft, eine weitere Halbinsel mit schönen Buchten wie der bekannten Whineglassbay. Sehr brav haben wir alles zu Fuss erkundet und sind mit ein paar Delfinen belohnt worden, die durch die Bucht schwammen.

Am Weg zurück nach Hobart kamen wir auch noch über den Fluss Jordan und  vorbei an Ortschaften wie Jericho oder Bagdad. Sehr erfindungsreich schien man in der Gegend nicht gewesen zu sein.
Dafür gab es aber ein paar sehr hübsche kleine Orte mit süssen alten Steinkirchen, Brücken und schönen alten Cottages.

Nach einem kleineren Spaziergang am Mount Wellington, der sich etwa 1270 Meter über Hobart erhebt und eine entsprechende Aussicht bietet mussten wir unseren Thunder Bolt wieder abgeben und langsam unsere Sachen packen.
Die letzen beiden Nächte in Hobart hatten wir also wieder eine feste Unterkunft und per SMS küdigten sich - quasi zur Verabschiedung - auch noch Josephine und Frederic (die Belgier aus den Blue Mountains) an, die inzwischen auch auf Tasmanien unterwegs waren. Die aber nicht allein, denn auch Ellen mit der wir bereits im Jänner tagelang im feuchten Outback steckten, landete gerade in Tasmanien und so hatten wir noch einen lustigen Abend, bzw. einen Stadtrundgangs- und besichtigungstag mit Freunden die wir entlang unseres Weges kennengelern haben. Und wieder ein Grund zu reisen :-)

Drei Monate Australien, was soll ich sagen? Eine riesige Insel mit unendlichen Distanzen und dafür relativ wenigen Menschen die sich grösstenteils entlang der Küste ansiedeln. Sie sind sehr freundlich und uns Fremden gegen über auch sehr offen, interessiert und hilfsbereit. Die Sprache ist - obwohl Englisch - anfänglich doch etwas gewöhnungsbedürftig. Sonnenbrillen sind Sunnies, Brisbane - Brissie, Moskitos - Mossies, Tasmanien ist Tassie und die Australier selbst sind OZzies. Zur Betonung ist hier auch schnell einmal etwas “bloody” oder “f***ing”, Mann wird immer mit “Mate” angesprochen und Frau schnell auch einmal mit “love” oder “darling”. Erwischt mich etwa eine ältere Lady kanns passieren, dass sie mich “sweetie” nennt.
Würde man diese Anreden irgendwo in Europa verwenden und jeden schon bei der ersten Begegnung mit Kumpel, Herzchen, Liebes oder Süsser ansprechen, würde das wohl eher frech und unhöflich als freundlich verstanden werden. Woher das kommt ist schwer verständlich, haben doch die Australier auch einmal als stocksteife Engländer angefangen. Vielleicht liegt es tatsächlich an ihrer Vergangenheit als Gefangene oder, dass die Siedler mit ihrer Bereitschaft die alte Heimat hinter sich zu lassen, alles zu riskieren und in die neue Welt zu reisen viel offener und lockerer sind … wer weiss??
Verglichen mit allen anderen Ländern die wir bisher bereisten ist Australien ein relativ reines Outdoor-Land. Wenn es regnet gibt es definitiv nicht genug Indoorbeschäftigung und man ist schnell einmal in seinem Camperauto gefangen. Für jede Jahreszeit gibt es dafür aber optimale Gegenden zum reisen - gross genug ist es ja.

Thema Gift und Gefahr: Die meisten von diesen Viecherln soll es hier ja geben, aber wenn man sich einigermassen normal und vernünftig verhält und bewegt frisst oder beisst einen weder Krokodil, Hai, Schlange noch Spinne. Ja man muss sich schon bemühen überhaupt eines zu sehen. Viel gefährlicher als die alle zusammen sind aussedem Pferde, denn laut Statistik sterben bei Reitunfällen weit mehr Menschen als durch die vorher genannten ;-)

Zusammengefasst kann ich Australien auf jeden Fall empfehlen, man braucht nur etwas mehr Zeit und so werden wir sicher irgendwann ein(paar?)mal wieder hierher kommen um uns (einen) weitere(n) Teil(e) anzusehen.

Wir haben den roten Kontinent inzwischen via Sydney bei Sonnenschein und ein paar leichten Wolken verlassen und wünschen Euch allen im nachhinein frohe Ostern, und einen wunderschönen warmen Frühling aus dem bereits etwas herbstlich frischen Neuseeland!

Hier gehts zu den Bildern von Tasmanien


Kommentare:
13 Kommentare zu "Tasmanien - die Insel zur Insel als australischer Abschluss"
Markus am 13. April 2009 um 18:13

Mega…….


Markus am 13. April 2009 um 18:16

………geniale Fotos wie immer.


Veronika Künzel am 13. April 2009 um 18:54

Mit Rieseninteresse an Tasmanien teilgenommen. Zu “love”, “darling” u.s.w.: das kommt aus England, aus den “unteren” Schichten.Ich hab es dort erlebt zwischen Putzfrauen, Verkäuferinnen … wenn sie mit einem vertrauter wurden. Ist allerderings ca.50 Jahre her. Gespannt auf Euer nächstes Ziel. Alles Gute Veronika


Veronika Künzel am 13. April 2009 um 18:58

Mit Rieseninteresse Tasdmanien gelesen. Zu “love”, “darling”, “sweety” u.s.w.: kommt aus England. Ich höre es heute noch in deren Umgangsprache, allerdings in den “untern” Schichten, und ist auch schon ca. 5o Jahre her. Buhhhh
Gruss Veronika


Andreas SYROWATKA am 13. April 2009 um 20:44

Na auch das noch!

Tassi ist ganz oben auf meiner Liste gestanden. Nun ward Ihr auch da schneller.

Verfolge Eure Berichte laufend!

Scheinbar kommt noch keine Reisemüdigkeit bei Euch auf!

Echt bewundernswert!

Alles Gute,

Andreas!


Dieter am 13. April 2009 um 09:27

Ihr Lieben, sensationeller Bericht wieder -
Danke Johannes, jetzt weiss ich wenigstens wo Tasmanien liegt,..
In Österreich gab es die heißesten Ostern seit , glaube, es temperaturaufzeichnungen gibt - ein Hit - Badtemperaturen, am Ostersonntag war das Neusiedlerstrandbad bum voll, witzig, wenn man weiss, das man manches Jahr im Schnee die Ostereier verstecken muß!
Alles Liebe und tolle Eindrücke in Neuseeland
GLG Dieter

P.S.: Katharina,voll liab der kleine Boml ;-) Leo heißt er !


robert am 13. April 2009 um 10:35

hallo ihr drei toller bericht … bei uns ist grad die mopedsaison eröffnet bei dem schönnen wetter wen wunderts ich hoffe vitus hälts noch durch ggg
liebe grüsse von ines und robert


Heidi am 13. April 2009 um 10:43

hola amigos, toll wie ihr unterwegs seid - weiterhin buen camino

lg aus St.Pölten (ÖWR)


Verena am 13. April 2009 um 11:40

unglaublich tolle Fotos, ich muss auch mal nach Tassie! es scheint doch schon relativ frisch gewesen zu sein! Ich hoffe, ihr habt die Oster-Wombats schon gut verdaut, wir haben hier diverse Hasen schon verspeist und genießen den Frühsommer in Österreich. Seit 10 Tagen hats hier täglich zwischen 22 - 25 Grad, Wien ist mit Abstand die wärmste Stadt in Europa, nicht mal Athen, Rom, Madrid etc konnten mithalten. Die Übergangsjacken haben wir gar nicht angezogen, auf der Donauinsel und am Neusiedlersee gehts zu wie im Hochsommer..hoffentlich bleibts so :). Wünschen euch viel Spaß in Neuseeland und sind schon sehr gespannt auf eure neuen Berichte und Fotos! Bussi, Verena


Gio am 13. April 2009 um 18:14

Es ist schön und interessant Eure Reiseberichte zu lesen (meist um ca 17 Uhr im Büro - Schande) und ich gönn euch sosehr diese Erfahrungen, Erlebnisse und Wahrnehmungen wo auch so einiges relativiert wird. Zum Aussie-english muss ich sagen, dass ich nichts gegen eine junge Australierin habe die “darling” statt “Sir” zu mir sagt, nur ich hab einmal mit einem australischen Journalisten geplaudert und getrunken.Anfangs wars ok aber nach dem 3.Glasl (ich Spritzer er Schilcher) verstand ich fast nix mehr, mit meinem bereits stark abgebröckelten HAK-Englisch….habt es weiter fein und alles Gute
Gio


J-Li und Bambu am 13. April 2009 um 18:45

hallihalloo!!! ich bin echt sehr überwätigt von euren schönen fotos wiedereinmal!!! wir waren zwar schon in tasmanien, aber durch euch haben wir jetzt noch andere neue tolle orte gesehen!! wie immer ein besonderer genuss, der uns schwelgen lässt! weiter so, wir denken viel an euch!!


julia und berni am 13. April 2009 um 15:06

Wow! Horcht sich echt super an! Zum Gusta holen! :)
Wir sind noch in Suedostasien, sozusagen ein bisschen auf euren Spuren :). Thailand und Laos waren wir schon, jetzt sind wir in Kambodscha und danach gehts weiter nach Vietnam, Malaysien und Singapur!
Alles Gute und geniesst wunderschoenes Neuseeland!
Bis vielleicht bald in Suedamerika,
Julia und Berni


robert am 13. April 2009 um 23:22

is this love that i’ m feeling…verlasse die arge und schwebe auf wolke 7 message following
lg robert


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